Raymond Pettibon

 
 

geboren 1957 in Tuscon, USA
lebt und arbeitet in Hermosa Beach, USA

Über eine einzige Arbeit von Raymond Pettibon zu schreiben, ist unmöglich. Der düstere Kosmos aus Comichelden, nackten Körperteilen, Autos, Wellen, Wolken und Dollarzeichen, die der kalifornische Künstler mit rätselhaften Textfragmenten versieht, lässt sich nur aus der Fülle seiner Tuschezeichnungen erschließen. Pettibon produziert ein Pandämonium amerikanischer Mythen – vom Hippie-Jesus über Charles Manson und J.F. Kennedy bis hin zu Supermann und Bill Gates –, das in seiner schraffierten, schattenreichen Ästhetik an alte Comics oder Buchillustrationen aus den dreißiger Jahren erinnert. Ende der siebziger Jahre gestaltete Pettibon Plattencover, Fanzines und Flyer für Underground-Bands wie Sonic Youth oder Black Flag. Inzwischen zählt er zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart, der den amerikanischen Traum in psychedelische Fragmente zerlegt.

Meist wie Notizblätter direkt auf die Wand gepinnt, stellen die Zeichnungen trotz ihrer harten Gestik und hämmernden Motive eine große Nähe zum Betrachter her. Skizzen von Geschlechtsakten und –organen, gekreuzigte Playboys in Unterhosen, stampfende Dampflokomotiven und wirbelnde Wellenstrudel vermitteln einen sexuell aufgeladenen, düsteren Unterton. Die Scheinheiligkeit und vermeintliche Unverletzbarkeit seines Landes kehrt sich bei Pettibon in eine brodelnde, bedrohliche Stimmung, in der die Protagonisten jederzeit zusammenbrechen oder Amok laufen können. Pettibon zeigt die dunkle Seite eines pseudo-virilen Amerikas, dessen Helden längst vergangenen Zeiten angehören.