geboren 1965 in Den Haag, NL
lebt und arbeitet in Den Haag und Berlin
Jeden Tag malt Marcel van Eeden einen Teil von seinem Lebenswerk. „Enzyklopädie des Todes“ hat ein Kurator dieses Prinzip einmal genannt – seitdem ziert dieser düstere Ausspruch jeden Text über den niederländischen Künstler. Seit 1993 erstellt van Eeden täglich eine kleinformatige Zeichnung aus fettigem Grafitstift der Marke Nero. Jede Zeichnung misst 19 mal 28 Zentimeter und ist bearbeitet von links oben nach rechts unten. Van Eeden bildet auf diesen schematisch gehaltenen, in mattem Schwarz-Weiß schimmernden Arbeiten beiläufige Motive aus Zeitschriften, Büchern, Filmen und Magazinen ab, denen nur eines gemeinsam ist: Sie alle sind vor seiner Geburt 1965 entstanden – eine Zeit, in der er noch nicht lebte und die für ihn deshalb gleichbedeutend mit seinem Tode ist. Aus diesem Bilderfundus stellt er Serien zusammen, aus denen sich assoziativ Geschichten fiktiver oder vergessener realer Persönlichkeiten ergeben.
So ging es in dem Zyklus „K. M. Wiegand – Life and Work“ (2006) um die wahre Gestalt eines amerikanischen Botanikers, den van Eeden in der Rolle eines Boxweltmeisters, Romanautors, Wissenschaftlers oder Geliebten von Rita Hayworth auftreten lässt. Van Eedens Schauplätze wirken wie seine Protagonisten unbedeutend und anonym: Bahnhöfe, Museen, Wohnzimmer, Landschaften, Stadtansichten – doch plötzlich tauchen zwischen den harmlosen Bildern Katastrophenszenarien wie Brände, Kriege oder Verbrechen auf. Auch Vereinfachungen abstrakter Malereien à la Malewitsch oder Einzelmotive wie Blumen oder Pralinen zählen zu van Eedens Motiven. Oft versieht er seine Blätter mit Textfragmenten, die der Schreibschablone seines Vaters entstammen. Obwohl sie keinerlei Anknüpfung an die dargestellten Motive aufweisen, zieht der Betrachter dennoch vage Verbindungen zwischen Text und Bild. Den Arbeiten liegt damit ein scheinbares lyrisches Fundament zugrunde. Van Eeden spinnt einen Faden atmosphärischer Momente, die ein Vorleben beschreiben, das so niemals stattgefunden hat. Der Tod wird durch eine fiktive Vergangenheit besiegt. Auf der Internetseite www.marcelvaneeden.nl kann man jedes einzelne Tageswerk begutachten.