Stephan Balkenhol

 
 

geboren 1957 in Fritzlar
lebt und arbeitet in Karlsruhe

Er ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Bildhauer Deutschlands. Seine grob gehauenen, farbig bemalten Holzskulpturen sind sein Markenzeichen – sie stehen an vielerlei Orten im öffentlichen Raum und in zahlreichen Museen. Als Schüler des abstrakten, minimalistischen Bildhauers Ulrich Rückriem, dessen flache Steinplatten direkt am Boden liegen, ging Stephan Balkenhol früh in die entgegen gesetzte Richtung: Aus Baumstämmen haut er Männer, Frauen und Tiere heraus, mal puppenhaft klein, mal überlebensgroß, meist auf Sockeln platziert und bemalt.

Balkenhol bezieht sich auf die klassische Tradition der Skulptur, von frühchristlichen Ansätzen bis zur Moderne. Trotz ihrer Figürlichkeit lehnen sich seine Skulpturen jedoch nicht an konkrete menschliche oder göttliche Vorbilder an. Sie sind Metaphern für den anonymisierten Menschen, für den durchschnittlichen Bürger in schwarzer Hose und weißem Hemd, wie ihn die Massengesellschaft der Moderne hervorgebracht hat. Die raue Bearbeitung der Skulpturen lässt dennoch Spielräume für Individuelles offen, jede Figur – sei sie noch so schematisch dargestellt – trägt durch das roh behauene Holz eigene Züge und vermittelt eine eigene lebendige Spannung. Sie kommt besonders da zum Tragen, wo Balkenhol seine Figuren in Bezug zueinander stellt. Es scheint, als würden sie aneinander vorbei oder durch den anderen hindurch blicken, so dass niemals ein Dialog zustande kommt. So in „Doppelter Mann in Jeans“: Hier stehen die beiden beinahe identischen Männer einander versetzt gegenüber, kleinformatig aus einem riesigen, mittig geborstenen Stumpf herausgehauen, der ihnen wie ein gesprengtes Felstableau als Plattform dient. Nicht nur ihr starrer, am anderen vorbei gehender Blick trennt sie voneinander, sondern auch die Spalte zwischen ihnen. Distanziert, anonym und rätselhaft starren sie ins Leere. Auf ähnliche Weise thematisieren die überlebensgroße „Kopfsäule Mann“ (2005) und der „Mann mit Tätowierung“ (1997) den Pseudo-Individualismus unserer Zeit und führen in ihrer hölzernen Ästhetik den Menschen auf seine archaischen Ursprünge zurück.