geboren 1979 in Moskau, Russland
lebt und arbeitet in New York, USA
Der in Russland geborene Künstler Kon Trubkovich beschäftigt sich mit der Widersprüchlichkeit des amerikanischen Traums, in dem das Wort „Freiheit“ zum Synonym für die Eroberung der Welt durch den Neoliberalismus, zum politischen Werbeslogan und Deckmantel für wirtschaftliche Interessen geworden ist. Trubkovichs fotorealistische Gemälde, die minutiös getuschten Aquarelle und seine Installationen basieren auf Videostills.
Eines davon, „Repeat Offenders“ (2006), zeigt einen Häftling im orangefarbenen Overall, der in extremer Zeitlupe durchs Dickicht rennt. Das Hecheln der Suchhunde und der Atem des Flüchtlings sind in Echtzeit hörbar. Der Film wirkt wie ein Traum, in dem man rennt, aber nicht vorwärts kommt – eine Anspielung auf den Sisyphos-Mythos, der auch in dem Video „Ant Farm“ (2007) anklingt: Der absurde Arbeitstrott, bei dem die Arbeiter – anonymisiert durch ihre Overalls – stapelweise Materialien von einer Seite des Raumes zur anderen tragen, wird von einem Aufseher überwacht, der die Szene wie ein Gefangenenlager wirken lässt. Entsprechend höhnisch erscheint es, wenn die Wandbilder großer Hoffnungsträger der 50er und 60er Jahre von den Wänden herabblicken, darunter J.F. Kennedy, Albert Einstein und John Lennon.
Auch die beiden skulpturalen Arbeiten thematisieren Symbole der Arbeitswelt. „Untitled (Suits)“ (2007) besteht aus einer Garderobenstange, von der drei farbige Overalls herabhängen, wie sie etwa Raumpfleger, Müllwerker oder auch Häftlinge tragen. Sie erinnern an die Anzüge, die für den russischen Konstruktivisten Alexander Rodschenko geschneidert wurden – Trubkovich greift hier auf seinen biographischen Hintergrund des Kommunismus zurück.
Die Eckskulptur „What Paradise?“ (2007) besteht aus einer bronzenen Schaufel, die in einem Haufen Graphitsteinchen auf gefalteten Stoffstücken lehnt, wie sie auch für die Overalls verwendet wurden. An der Wand daneben hängt ein weiteres Stoffstück wie ein Staubtuch herab. Die Symbole der Arbeitswelt erscheinen damit ästhetisiert und auf eine höhere Ebene gehoben.
Das Abmalen der Videostills ist für Trubkovich ein technischer Gegensatz zu den Möglichkeiten des filmischen Mediums: Die Aquarelle erfordern Zeit und Sorgfalt, während das Video dazu dient, Echtzeit aufzunehmen. Doch weil Trubkovich auch in den Videos die Zeit dehnt, steigert das Aquarell die Langsamkeit der Aufnahme bis zum Stillstand – die Suche nach Freiheit ist darin gebannt.